Teilprojekt II: Wege in den Arbeitsmarkt

Das Teilprojekt II zielt darauf ab, Determinanten eines erfolgreichen Arbeitsmarkteinstiegs der Geflüchteten in Deutschland zu ermitteln. Im Mittelpunkt steht dabei eine breit angelegte Befragung unter sämtlichen Bewohner/innen zweier großer Gemeindeunterkünfte im Rhein-Neckar-Kreis vom Spätsommer 2016, deren Teilnehmer/innen Ende 2017/ Anfang 2018 erneut kontaktiert und befragt wurden. Weitere Maßnahmen des Teilprojektes fokussieren auf die Berufsorientierung in der Sekundarstufe I, auf die integrative Wirkung eines gezielten Sportprojektes sowie auf die Arbeitgeberperspektive.

  • Es zeigt sich, dass eine längere (Aus)Bildungsdauer im Heimatland die Integration in Beschäftigung in der Region unterstützt. Weitere wichtige Erklärungsfaktoren für eine Beschäftigungsaufnahme sind das Herkunftsland, die Kosten und Schulden aus der Flucht und enge Verbindungen zu Deutschen.
  • Für Unternehmen besteht das Problem, dass die Beschäftigung von Geflüchteten mit erheblichen Hürden verbunden ist. Neben möglichen Defiziten in den Deutschkenntnissen stehen sie aufgrund der ungünstigen Bleibeperspektive oftmals nicht langfristig planbar zur Verfügung.
  • Insgesamt besteht noch immer ein hoher Beratungsbedarf der Unternehmen bei der betrieblichen Integration von Geflüchteten.
  • Jugendliche Geflüchtete, die derzeit noch die Schule besuchen und mit der Herausforderung der beruflichen Orientierung konfrontiert sind, können auf ein ausgebautes und vielfältiges Beratungsangebot zurückgreifen.
  • Integrationsmaßnahmen der Zivilgesellschaft, die v.a. auf Freizeitangebote, wie beispielsweise sportliche Aktivitäten, fokussieren, stellen einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration von Geflüchteten dar.

Befragung aller Geflüchteten in den größten Gemeinschaftsunterkünften in Sinsheim und Wiesloch 2016

  • Erhebung der Bildungs- und Erwerbsbiographie im Heimatland
  • Fluchtdauer und Fluchtkosten
  • Gesundheit
  • Sprachtest
  • Erwartungen an ein Leben in Deutschland
  • Beschäftigung in den letzten Woche und Reservationslohn

ProjektpartnerInnen

210 Teilnehmende in Sinsheim, 160 in Wiesloch; acht Frauen, 362 Männer

Zwischenergebnisse

  • Geflüchtete aus Vorderasien (Syrien, Türkei, u.a.) haben die meisten Bildungsjahre und auch die höchsten Bildungsabschlüsse
  • Viele Geflüchtete haben Schulden in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro als Folge der Flucht
  • Rund drei Viertel der Befragten bezeichnen ihren Gesundheitszustand als subjektiv gut
  • 12 Prozent der Befragten gehen (in teilweise geringem Umfang) einer bezahlten Arbeit nach

Kurzbefragung, aktuelle Beschäftigung, Unterstützungsbedarf

ProjektpartnerInnen

Ausländerbehörden der Stadt Sinsheim und Wiesloch

Zwischenergebnisse

  • Knapp 25 Prozent der ursprünglich Befragten konnte erneut erreicht werden
  • Erneut Kontaktierte sind gebildeter und hatten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bereits eine Beschäftigung zum Zeitpunkt der ersten Befragung
  • Beschäftigungsquote in der zweite Befragung erreicht fast 40 Prozent

Das Ziel der Kooperation war die kausale Überprüfung des Lern- und Sportangebots von HEIMSTÄRKE für neu angekommene Geflüchtete hinsichtlich Verbesserungen in der sozialen, sprachlichen wie auch ökonomischen Integration in Deutschland.

ProjektpartnerInnen

Anpfiff ins Leben e.V.

Ergebnisse

  • Hinweise auf eine bessere soziale Integration der Geflüchteten
  • Große Zufriedenheit der teilnehmenden jungen Männer mit dem Projekt
  • Hoffnungen auf Verbesserungen bei der Jobsuche

Qualitative Befragung von ExpertInnen der Berufsberatung und Berufsorientierung und von Geflüchteten in der Sekundarstufe I (in Arbeit).
Fragen zum Einfluss wesentlicher Akteure auf die Berufswahl von jungen Geflüchteten, Normen und Ideale in der Berufsberatung, Berufswünsche und –perspektiven von jungen Geflüchteten, generelle Einflussfaktoren auf die Berufswahl junger Geflüchteter.

ProjektpartnerInnen

Regionales Bildungsbüro / Amt für Schule und Bildung der Stadt Heidelberg

Zwischenergebnisse

  • Persönliche und individuelle AnsprechpartnerInnen werden gegenüber formalen Berufsorientierungsmaßnahmen bevorzugt
  • Junge Geflüchtete nutzen am ehesten informelle Kontakte bei Fragen zur Berufswahl - große Bedeutung von Vertrauen (Familie und LehrerInnen in den Vorbereitungsklassen)
  • Ausbildung als bevorzugtes Bildungsziel

In drei empirischen Studien zur Ökonomik der Zuwanderung untersucht Martin Lange in seinem Dissertationsvorhaben wie sich die jüngste Fluchtmigration auf die Entwicklung der regionalen Kriminalität und Gewalt gegen Ausländer auswirkt. Die quantitativen Analysen beruhen auf administrativen Kriminalitäts- und Asyldaten und leisten einen Beitrag zur wachsenden ökonomischen Literatur über gesellschaftliche Effekte von Zuwanderung. Die im Reallabor erworbenen Kenntnisse über Asylverfahren und die Asylbewerberverteilungsprozesse bereichern das Dissertationsvorhaben.

 

Das Modellprojekt Arbeitgeberservice unterstützte von September 2017 bis November 2018 insbesondere ArbeitgeberInnen in Wiesloch und Sinsheim bei der betrieblichen Integration von Geflüchteten. Dabei stand die zentrale Fragestellung im Mittelpunkt, welche Maßnahmen und Unterstützungsangebote gemacht werden können, damit die Bereitschaft insbesondere von kleinen und mittelständischen Unternehmen steigt, Geflüchtete einzustellen bzw. damit Unternehmen, die bereits Geflüchtete beschäftigen, bei der betrieblichen Integration optimal unterstützt werden.

ProjektpartnerInnen

  • Stadt Sinsheim
  • Stadt Wiesloch
  • Bundesagentur für Arbeit

Damit die geplanten Unterstützungsangebote auf relevante betriebliche Themenbereiche abzielen und mit der bereits vorhandenen Unterstützungsstruktur einhergehen, wurde zwischen Dezember 2017 und Februar 2018 eine Arbeitgeberbefragung in Form von leitfadengestützten Interviews in Sinsheim und Wiesloch mit 15  ArbeitgeberInnen durchgeführt. Ermittelt wurde,  ob bereits vorhandene Unterstützungsangebote bekannt sind und ob diese genutzt werden. Weiterhin wurde der Bedarf an weiteren notwendigen Unterstützungsstrukturen erfragt. Auf Grundlage der Befragungsergebnisse und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen vorhandenen Netzwerk- und Unterstützungsstrukturen beider Kommunen wurden folgende Angebote durchgeführt.

Unterstützungsangebote in Sinsheim und Wiesloch

  • Beratungsangebot für ArbeitgeberInnen und Personalverantwortliche zu allen Fragen rund um die betriebliche Integration von Geflüchteten wöchentlich im Rathaus Wiesloch bzw. telefonisch und per Email für ArbeitgeberInnen beider Kommunen
  • Betreuung einzelner Unternehmen bei individuellen Bedarfen in beiden Kommunen
  • Unterstützung von ArbeitgeberInnen und Geflüchteten durch Vermittlung von Weiterbildungsangeboten (Sinsheim)
  • Bereitstellung eines Leitfadens mit verlässlichen Informationen zu allen Aspekten der betrieblichen Integration von Geflüchteten für die jeweilige Kommune, welcher hier runtergeladen werden kann
  • Unterstützung bei der Durchführung von Workshops und Veranstaltungen zur effizienteren Netzwerkarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Akteuren (Wiesloch)
  • Durchführung eines Job-Speed-Datings zur Vermittlung von Geflüchteten in Arbeit als Initialveranstaltung für eine zukünftig eigenständige Durchführung weiterer Veranstaltungen in Wiesloch

Fazit

Auf Grundlage der unterschiedlichen Nutzung vorhandener Unterstützungsstrukturen in beiden Kommunen wurden in Sinsheim überwiegend Angebote zur kontinuierlichen Unterstützung von ArbeitgeberInnen und Geflüchteten während des Beschäftigungsverhältnisses durchgeführt. In Wiesloch waren zu Beginn des Modellprojektes ähnliche Angebote durch Haupt- und Ehrenamtliche vorhanden, wurden allerdings von ArbeitgeberInnen weniger genutzt oder waren nicht bekannt. Daher lag der Fokus in Wiesloch auf der Information und Beratung von Unternehmen über die Chancen und Herausforderungen bei der Beschäftigung von Geflüchteten sowie über die vorhandene Unterstützungsstruktur. Damit einhergehend standen Netzwerkaktivitäten zur effektiveren Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit im Vordergrund.

Handreichung für Unternehmen Wiesloch

Handreichung für Unternehmen Sinsheim